„No limits“: Das war der 6. Zukunftstag der Steirischen Wirtschaft

Manchmal gilt es Grenzen zu überwinden, um erfolgreich zu sein. Wie steirische Unternehmen Grenzen im Denken und Handeln überwinden und welche Herausforderungen sich dabei im Zusammenhang mit aktuellen Entwicklungen wie der Digitalisierung ergeben, stand im Mittelpunkt des sechsten Zukunftstages der steirischen Wirtschaft, der mit rund 1.100 Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Sport im Messe Congress Graz stattfand.

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LR Barbara Eibinger-Miedl © SFG/ Matthias Kniebeiss

 „Grenzen wirken manchmal unüberwindbar. Für viele sind sie aber Ansporn und Motivation, scheinbar Unmögliches möglich zu machen. Der steirische Erfindergeist und unsere pionierhaften Unternehmen machen uns zu einer der innovativsten Regionen Europas und sichern Arbeitsplätze und Lebensqualität“, so Wirtschaftslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl bei der Eröffnung.

„No limits“
Unter dem Motto „no limits“ ging der Zukunftstag 2018 der Frage nach, wie sich unternehmerische Ziele und innovatives Denken verbinden lassen, um so bisherige Grenzen überwinden zu können. Was können wir erreichen? Wo sind unsere Grenzen? Was braucht es, um diese Grenzen zu überwinden? Antworten auf diese Fragen und persönliche Einblicke im Hinblick auf Grenzen gaben am Vormittag der deutsche Philosoph, Publizist und Autor Richard David Precht, KTM-Chef Stefan Pierer, die Geschäftsführerinnen des Grazer Start-ups „Qualizyme Diagnostics“, Eva Sigl und Andrea Heinzle, der aktuelle Rallye-Dakar-Sieger Matthias Walkner und Extremradsportler Christoph Strasser, der vor wenigen Tagen zum fünften Mal das Race Across America gewann.

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© SFG/ Matthias Kniebeiss

Die zweite große Revolution
In seinem Eröffnungsvortrag betonte Precht, dass die Digitalisierung die größten Veränderungen seit der ersten industriellen Revolution bringe. Aus diesem Grund müsse sich die Gesellschaft jetzt auf die Arbeits- und Lebenswelt der Zukunft einstellen. „Die Digitalisierung bringt eine enorme Steigerung der Produktivität. Mit dieser Produktivitätssteigerung muss auch eine Steigerung der Kaufkraft einhergehen“, so Precht, der vor allem für einen Wandel des Sozialstaates und des bestehenden Bildungssystems plädierte: „Der Sozialstaat muss neu erfunden werden. Wir müssen die Grenze überwinden, zu glauben, dass die heutigen sozialen Sicherungssysteme in Zukunft funktionieren!“  Auch das Bildungssystem müsse radikal umgebaut werden: „Wir können Kinder nicht für eine Gesellschaft ausbilden, die es nicht mehr gibt, wenn sie die Schule beenden. Die Selbstbefähigung jedes Kindes muss in den Mittelpunkt der Schulbildung gerückt werden“, so Precht. Aus seiner Sicht braucht es den Druck aus der Wirtschaft, um diese Änderungen jetzt zu erwirken.

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© SFG/ Matthias Kniebeiss

Versuch und Irrtum
Stefan Pierer, der KTM zur weltweit bekannten Marke machte, gab Einblicke in seine Erfahrungen mit unternehmerischen Grenzen und deren Überwindung: „Versuch und Irrtum ist Unternehmertum. Mit Abwarten kann man keine Grenzen überwinden. Man muss sofort reagieren und Erfahrungen machen, aus denen man dann Sicherheit bekommt“, so Pierer.

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© SFG/ Matthias Kniebeiss

Eva Sigl und Andrea Heinzle haben einen Schnelltest zur Erkennung von Wundinfektionen entwickelt und die Qualizyme Diagnostics GmbH gegründet. Das Unternehmen, eine Ausgründung aus der TU Graz, ist seit 2014 am Zentrum für Wissens und Technologietransfer in der Medizin (ZWT) angesiedelt. Die beiden Geschäftsführerinnen berichteten über Herausforderungen in der Start-up-Phase. „Wir sind an eine Vielzahl von Grenzen gestoßen, haben die meisten aber nicht als solche erkannt, sondern als Herausforderungen, die wir meistern wollen“, so Sigl und Heinzle. Der Schritt in die Selbständigkeit sei auch aus privaten Gründen erfolgt, berichteten die beiden Mütter: „Wir haben das bewusst gemacht, um Beruf und Familienleben besser vereinbaren zu können und die Grenzen zwischen beiden Bereichen leichter verschwinden lassen zu können!“

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© SFG/ Matthias Kniebeiss

Zukunftslabor mit feasible geometry-consulting & KLH Massivholz
Der Nachmittag stand beim Zukunftstag im Zeichen erfolgreicher Grenzüberschreitungen steirischer Unternehmen. Im „Zukunftslabor“ beeindruckte feasible geometry-consulting, der Clusterpartner des steirischen Holzclusters, mit einem ausgewöhnlich geformten Turm, der den Besuchern sofort ins Auge stach. Das Außergewöhnliche daran war, dass das junge Unternehmen eine Technik entwickelt hat, wie nicht nur rechtwinkelige Formen verbunden werden können, sondern jeder beliebiger Schrägwinkel möglich wird. Dazu bieten sie eine Software, die automatisiert Produktionsdaten der einzelnen Objekte liefert und den optimalen Materialeinsatz mit minimalem Verschnitt berechnet.

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© SFG/ Matthias Kniebeiss

Darüber hinaus gaben die steirischen Cluster und Netzwerke bei den Brancheninputs Einblicke in ihre jeweiligen Stärkefelder und verrieten Hintergrundwissen über ihren Erfolg und was es bedeutet, an etwas zu glauben und dabei Grenzen zu überschreiten. Erhard Pretterhofer plauderte mit Johannes Habenbacher, einem der Geschäftsführer von KLH Massivholz, darüber, wie sich aus einer Idee und ihren ersten Gehversuchen in einer Garage schließlich das weltweite Erfolgsprodukt Brettsperrholz entwickeln konnte, das den Holzbau buchstäblich revolutionierte.

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Johannes Habenbacher beim Talk © HCS/ Schmid

Höher, schneller, weiter – dank Kreuzlagenholz längst keine Zukunftsträume mehr! Von Katsch an der Mur aus werden die Platten heute nicht nur nach Zentraleuropa und England, sondern auch nach Skandinavien, Nordamerika, Australien, Neuseeland, Japan oder Taiwan exportiert.

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© SFG/ Matthias Kniebeiss