BSP mit Umweltzertifikat - KLH Massivholz

Massivholz ist nun ganz offiziell nachhaltig. Der BSP-Pionier KLH Massivholz steuert auf ein Rekordjahr zu. Rund 80.000m³ verlassen heuer die Werkstore. Die KLH-Platten sind als erstes Massivholzbau-Produkt mit einem EPF-Zertifikat nachweislich umweltfreundlich. Damit stellt das Unternehmen die Weichen für eine rosige Zukunft.

 

Mutig in die neuen Zeiten! Für kaum ein anderes Unternehmen gilt dieser Spruch so wie für KLH Massivholz aus Katsch an der Mur. Das obersteirische Unternehmen war Pionier in der industriellen Fertigung von Brettsperrholz. Gemeinsam mit Forschungseinrichtungen wurde das unbekannte Holzbauprodukt weiterentwickelt. Österreich wurde daher zum Epizentrum des BSP-Vormarsches. Trotz des massiven Markteintrittes von Konkurrenten bleibt die KLH in Katsch an der Mur der weltgrößte BSP-Produktionsstandort. Heuer rechnet man mit einem Rekordausstoß von mehr als 80.000 m³. Das sind 20 % mehr als 2010. Von der Pressenkapazität wären 100.000 m³/J möglich.
Dass dies auch umgesetzt wird, fällt seit Mitte des Jahres in die Verantwortung von Mag. Bernd Oswald, MBA. Der ehemalige Mondi-Manager ist in der Geschäftsleitung für Produktion, Beschaffung, Logistik und EDV zuständig. In den Monaten seit Dienstbeginn lernte er das Werk intensiv kennen. Mit dieser Expertise führte er den Holzkurier durch die emsig betriebsamen Hallen.

Wir wissen, wie nachhaltig wir sind
Auf dem Know-how, das man sich in 15 Jahren erarbeitet hat, wird man aber nicht sitzen bleiben. DI Johannes Habenbacher arbeitet mit der Forschungs- und Entwicklungsabteilung an den zukünftigen Trends bei BSP. Einer davon heißt Umweltproduktdeklaration oder abgekürzt: EPD. Diese Environmental Product Declarations beschreiben die Auswirkungen eines Baustoffes auf die Umwelt. Die Aufzählung ist umfassend. Sie beinhaltet unter anderem:
  • Abgabe flüchtiger organischer Stoffe (VOC),
  • Versauerungspotenzial
  • Energieaufwand bei der Produktion
  • Wiederverwendbarkeit …
Die Zertifizierung war aufwändig, aber nötig. In Zukunft werden immer mehr Bauherren einen rechnerisch einwandfreien Nachweis über die Nachhaltigkeit ihrer Bauten einfordern. Für Bauten der Öffentlichen Hand könnte eine EPD auch in Österreich oder Deutschland schon bald zwingend vonnöten sein – spätestens 2013 sei es soweit, glaubt Habenbacher. In Frankreich und Großbritannien sind diese auch bei privaten Investoren bereits Standard. Die EPD-Zertifizierung wurde von einem externen Unternehmen durchgeführt. Dieser Vorgang dauerte nur einige Monate. Eine gute Qualitätssicherung (nach ISO 9001 und ISO 14001) beschleunigte den Vorgang, erklärt Oswald.

 

Kein Nutzen ohne Nachweis
Der Nachweis der Nachhaltigkeit von Baumaterialien stellt die Holzindustrie vor eine skurrile Situation. Jeder weiß, dass Holz umweltfreundlich ist. Je eingebauten Kubikmeter werden zwei Tonnen CO2 eingespart. Bei der grauen Energie schlägt Holz so gut wie jeden anderen Baustoff. Dieses Wissen gehört aber auch nachgewiesen und in einem Zertifikat niedergeschrieben. Sonst kann es in der bürokratischen Baupraxis keine Berücksichtigung finden. Diesen Schritt hat die KLH nun getan. Weitere Forschungsschwerpunkte des steirischen Unternehmens betreffen den Brandwiderstand, die Nachhaltigkeit, die Erdbebensicherheit und die Schalldämm-Eigenschaften. Details dazu möchte der neue KLH-Geschäftsführer nicht preisgeben. Die Innovationskraft und die Qualität der Platten seien aber Eigenschaften, welche die KLH deutlich vom Mitbewerb abhebe.
 
Jede Lamelle kennt ihren Zweck
Der Produktionsablauf in Katsch ist gut eingefahren. Er gleicht im Wesentlichen jenem von 2006, das Jahr, in dem die Holzkurier-Redaktion die KLH zum Holzbauausstatter des Jahres gewählt hat. Trockene Schnittware wird in 4 und 5 m Länge sägerau zugekauft. Die 3 m-Ware für die Querlamellen kommt großteils gehobelt in das Werk. Die 4 m-Ware wird an den Enden astfrei gekappt und keilgezinkt. Verarbeitet wird „guter Leimbinderausschuss“ (meist Seitenware) in den Qualitäten S7 und S10. Im Fertigungsprozess wird jeweils in Deck- und Mittellage unterteilt. Produziert und gelagert wird in klimatisierten Hallen mit 60 % Luftfeuchte und 20° C. Bei den Querlagen kommen die 3 m langen Bretter zum Einsatz, die auf die Plattenhöhe (250, 272 und 295 cm) abgekappt werden. Das Schnittholz wird mit dem Vakuumheber aufgegeben und auf der Ledinek-Keilzinkenanlage bearbeitet. Jede Lamelle wird auf die jeweilige Plattenlänge gezinkt. Dabei wird zu 100 % auftragsbezogen gefertigt. „Jede Endloslamelle, die Sie hier sehen, hat schon ihren fixen Bestimmungsort“, schildert Oswald bei der Werksführung. Tatsächlich findet man auf jedem Stapel der bis zu 16,5 m langen Lamellen einen handschriftlichen Vermerk über den Verwendungszweck.
 
Hier riecht‘s nur nach Holz
Nach der Keilzinkung erfolgt die Beschickung der zwei Produktionslinien, wo eigenentwickelte Pressen verwendet werden. Auf diese Technologie ist man stolz. „Ab hier keine Fotos mehr“, verlangt Oswald. Viel zu sehen ist von den Pressen ohnehin nicht, zumal sie sich hinter schweren Kunststoffvorhängen verbergen. Die Pressenabmessung beträgt 2,95 mal 16,5 m. Zum Einsatz kommt ein Einkomponenten-Polyurethanklebstoff von Purbond, Sempach Station/CH. Das erklärt, warum es in dieser Leimholzproduktion nicht nach Leim riecht. PUR ist frei von Formaldehyd. Lediglich der wohlige Geruch frisch gehobelten Holzes durchströmt die KLH-Hallen.
Der Großteil der Platten wird auf zwei CMS-Portalanlagen abgebunden. Die Abbundkapazitäten in Katsch sind aber ein Flaschenhals in der Produktionslinie. KLH-Platten, die nach Deutschland oder Großbritannien geliefert werden, werden daher roh nach Biberach/DE transportiert. Dort ist die KLH am Biberholz-Abbundzentrum mit zwei Hundegger-PBA-Portalanlagen beteiligt (s. Link). Die Kommissionierhalle ist direkt an die Produktionslinien angeschlossen. Zwischenlager sucht man vergebens. Einzig das Rohmaterial stapelt sich am Anfang der Produktion. Danach geht alles just-in-time durch die Pressen, den Abbund und mit den Lkw auf die Baustellen. Diese liegen häufig nicht in den klassischen Holzbauländern Österreich und Deutschland, wo geschickte Zimmermeister an jeder Ecke zu finden sind. Dank der langen Erfahrung weiß die KLH aber, wie die Elemente vorbereitet und angeliefert gehören, damit auch unerfahrene Baupartien ein perfektes Massivholzgebäude anfertigen können.
 
KLH-Platten in die weite Welt
Man glaubt es kaum: Von der malerischen Umgebung des Murtales aus wird eine weltweite BSP-Vertriebsstruktur gelenkt, die ihresgleichen sucht. Der KLH wurde es aufgrund der großen Produktionskapazität – und wohl auch wegen des aggressiven Auftretens des Mitbewerbs – in Österreich schon früh zu eng. In 18 europäischen Ländern verfügen die steirischen Massivholzpioniere über Vertriebspartner. In Schweden und Großbritannien hat man Vertriebstöchter. Das Londoner KLH-Büro hat mit dem aufsehenerregenden Achtgeschosser „Murray Grove“ den bis dato höchsten Holzmassivbau der Welt in die Wege geleitet. Andrew Waugh, Architekt von Murray Grove aus London, ist von KLH überzeugt. Das jüngste Projekt unter seiner Federführung ist ein sechsgeschossiger Bau am Regents Canal in London. In nur fünf Wochen Bauzeit werden die KLH-Massivholzplatten montiert. Im Frühjahr wird das Gebäude seinen Benutzern übergeben.
„Die eindrucksvollste KLH-Baustelle befindet sich aber im Herzen von Paris“, ergänzt Geschäftsführer Mag. Christian Loimayr. „Im 1. Pariser Arrondissement (Louvre) wird eines der fünf französischen Nationaltheater saniert und im Zuge dessen eine temporäre Konstruktion aus 7300 m² KLH-Massivholzplatten errichtet“. „Es handelt sich um das einzige Nationaltheater mit festem Ensemble. In einem Monat wird die 1680 gegründete Comédie-Française mit den Proben im neuen Gebäude beginnen“, so Sonja Moder, Vertriebs- und Marketingleiterin. „Vor diesem Hintergrund war diese Baustelle nicht nur aus konstruktiver und logistischer Sicht eine Herausforderung, sondern insbesondere aufgrund der Akustik“. Das KLH-Management besuchte die Baustelle gemeinsam mit dem französischen Vertriebspartner im Zuge der Präsenz auf der Pariser Messe Batimat. „Wir sind uns sicher, dass man ein solches Projekt nur realisieren kann, wenn man auf ein entsprechend qualifiziertes Know-how und höchste Kompetenz im Holzbau zurückagreifen kann“, erklärt Loimayr abschließend.
 
KLH MASSIVHOLZ
Gegründet: 1997
Geschäftsführer: Mag. Christian Loimayr, Mag. Bernd Oswald, MBA
Standorte: Katsch an der Mur (Produktion), Biberach/DE (Beteiligung an Abbundzentrum), London und Sollentuna/SE (Vertriebsniederlassungen) 
Mitarbeiter: 130 in Katsch
Zertifikate: EPD; ISO 9001; ISO 14001; PEFC; Europäische technische Zulassung; CE-Zeichen; Bauaufsichtliche Zulassung in Deutschland (DIBT), Frankreich (CSTB), Spanien (AiTiM), Russland (PCC)
Exportanteil: 80 %