HFA und Katzbeck erhalten Kooperationspreis der Austrian Cooperative Research (ACR)

„Window Air“ ist ein neuartiges Verbundfenster, das zugleich als Belüftung funktioniert. Ganz ohne Strom oder zusätzliche Aufbauten: Die Firma Katzbeck und die Holzforschung Austria (HFA) nutzen für ihre Produktinnovation geschickt die Thermik. Für „Window Air“ erhielten die beiden Partner im Oktober 2017 den Kooperationspreis der ACR.

Bei „Window Air“ fragt man sich unwillkürlich, warum man eigentlich nicht schon früher auf die Idee gekommen ist. So einfach und so bestechend ist das Prinzip. „Window Air“ ist ein Verbundfenster mit einem Innenflügel aus Isolierglas und einem weiteren Außenflügel. Dazwischen befindet sich eine Jalousie. Das revolutionär Neue an diesem Verbundfenster sind die Öffnungen am unteren Rahmen auf der Außenseite und am oberen Rahmen auf der Innenseite. Diese Öffnungen machen den Zwischenraum zu einem Luftkollektor. Frische Luft dringt durch die unteren Öffnungen ein, wird erwärmt, steigt auf und strömt durch die oberen Öffnungen in den Innenraum. „Window Air“ braucht keinen Strom, keine zusätzlichen Aufbauten oder Umbauten. Es lässt sich in bestehende Fensteröffnungen im Altbau wie im Neubau einbauen und mit vorhandenen Fenstern kombinieren. Es ist keine Wartung notwendig, und wenn nicht gelüftet werden soll, lassen sich die Klappen einfach schließen.

Die Idee: Lüftung ohne Strom
Die Idee für „Window Air“ stammt von der Firma Katzbeck. Das burgenländische Unternehmen ist einer der führenden Hersteller von Holz-Alu und Holz-Fenstern in Österreich. Katzbeck setzt auf Qualität. Und auf Innovationen: „Wir sind beweglicher als alle anderen“, sagt Manfred Deutsch, der Geschäftsführer des Unternehmens. „Das heißt, dass wir die ersten sein wollen, die neue Techniken entwickeln und einsetzen. So bleiben wir der Konkurrenz immer einen Katzensprung voraus.“ Das große Zukunftsthema für die Branche sei Energie, sagt er. Das betrifft auch das Thema Belüftung. „Die Bauweisen werden immer luftundurchlässiger, was Schimmelbildung begünstigt, wenn man nicht regelmäßig lüftet. Zugleich sollen die Fenster natürlich auch dazu beitragen, Energie zu sparen und Kosten zu senken“. Was dem Unternehmen Katzbeck daher vorschwebte, war ein Fenster, das zugleich als Belüftung funktioniert und zuverlässig einen hygienischen Luftwechsel zulässt – ohne dass dazu Strom notwendig ist.

Die Entwicklung: „Versuchen, versuchen, bis es klappt“

„Wir fanden die Idee großartig, allerdings stellte sie uns auch vor große Herausforderungen“, erinnert sich Julia Bachinger. Die Bauphysikerin der Holzforschung Austria stand mit ihrem Versuchsteam zunächst vor vielen offenen Fragen, etwa, welche Lufttemperatur im Zwischenraum notwendig ist, damit ausreichend Thermik und somit der gewünschte Luftstrom entsteht. Als besonders diffizil erwies sich auch der Schutz der Öffnungen vor eindringendem Wasser wie etwa bei Schlagregen. Mit Computersimulationen konnte die Holzforschung nicht sofort arbeiten, dafür fehlten die verlässlichen Parameter. Zuerst musste experimentell, im Versuch, getestet, variiert und erneut ausprobiert werden: „Versuchen, versuchen, bis es klappt“, lautete somit mehr als ein Jahr lang die Devise. Julia Bachinger ließ das „Window Air“ auch im Forschungshaus der HFA unter Realbedingungen testen, wo es im Vergleich mit einem herkömmlichen Verbundfenster untersucht wurde.

Die Kooperation: „Ein Vorzeigeprojekt“
Die beiden Partner, Katzbeck und HFA, sind mit ihrer Zusammenarbeit mehr als glücklich. „Das Projekt ist geradezu ein Vorzeigeprojekt für gelungene Kooperationen, weil jeder sein spezielles Wissen einbringen kann“, sagt Julia Bachinger. Manfred Deutsch ergänzt: „Wir haben die praktische Erfahrung, kennen die Bedürfnisse unserer Kunden, während an der HFA das technische Wissen und die Ausstattung da ist, um unsere Idee auch realisieren zu können.“ Für die HFA bedeutet das Projekt einen Know-how-Zuwachs in einem Zukunftsfeld und speziell für den Bereich Fenster und Türen; die Firma Katzbeck wiederum sieht das Projekt ganz klar als einen Vorsprung vor den Mitbewerbern, der sich so schnell nicht einholen ließe, wie Manfred Deutsch sagt. „Wir brauchen neue Entwicklungen, um unabhängiger von Energie zu werden und Ressourcen zu schonen.“ „Window Air“ ist nicht die erste Innovation, die HFA und die Firma Katzbeck gemeinsam umsetzten. Die beiden Kooperationspartner arbeiten bereits seit rund 25 Jahren zusammen. „Window Air“ wird auch nicht die letzte Innovation sein, denn schon jetzt arbeiten beide an einem Nachfolgeprojekt. Wieder geht es um ein Fenster.

„Window Air“ ist ab Januar 2018 im Verkauf erhältlich; durch die Innovation entstehen bei der Firma Katzbeck rund fünf neue Arbeitsplätze. Das Unternehmen hat derzeit 220 MitarbeiterInnen.

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Bild: HFA

Bild: HFA

Über die Kooperationspartner
1950 in Rudersdorf im Burgenland gegründet, ist das Familienunternehmen Katzbeck mit 220 Mitarbeitern österreichweit der Spezialist für HolzAlu- und Holzfenster und -türen nach Maß. Neben der Zentrale in Rudersdorf bestehen derzeit Fenster-Ateliers in Feldbach, Fürstenfeld, Neusiedl am See, Donnerskirchen, Dornbirn, Wels, Innsbruck sowie die Fensterwelt in Vösendorf (Blaue Lagune). Katzbeck Produkte stehen nicht nur für erstklassiges Design, Innovation und höchste Qualität, sondern auch für umweltfreundliche Produktionsmethoden. www.katzbeck.at 

Die Holzforschung Austria wurde 1948 gegründet und ist derzeit mit rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern das größte Forschungs- und Prüfinstitut für Holz in Österreich. Es befasst sich fachlich als einziges Institut mit der gesamten Wertschöpfungskette – beginnend von der Holzlagerung im Wald über die Holzverarbeitung bis hin zu den unterschiedlichsten Produkten. Auch angrenzende Fachdisziplinen wie etwa Oberflächenbeschichtungen, Holzschutzmittel und Klebstoffe werden behandelt. www.holzforschung.at 

Über den ACR Kooperationspreis
Der ACR Kooperationspreis zeichnet eine erfolgreiche Innovation von einem österreichischen KMU mit einem ACR-Forschungsinstitut aus. Bewertet werden etwa Innovationsgehalt, praktische Anwendbarkeit, wirtschaftlicher Erfolg, Auswirkung auf die Wettbewerbssituation und Beschäftigungseffekte. Die Jury setzt sich aus Vertreterinnen und Vertretern folgender Stellen zusammen: Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft, Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie, KMU Forschung Austria, Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG, Rat für Forschung und Technologieentwicklung, Vereinigung der Österreichischen Industrie, Wirtschaftskammer Österreich.